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Thema: Noch ein Happy End :)

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Noch ein Happy End :)

schlaf_wohl am 15.07.2016 um 10:30

Liebe alle, die ihr euch mit Schlafstörungen quält. Auch ich möchte hier eine Erfolgsgeschichte dank Schlafkompression berichten.

Das habe ich mir vorgenommen, als ich vor acht Monaten völlig verzweifelt mit der Kompression begann, weil nichts anderes half. Ich möchte, dass Menschen, die gerade auf dem Weg sind, Hoffnung bekommen, denn ich war so voller Zweifel und Ängste, dass auch die Kompression erfolglos bleiben würde... Und doch ist es gut geworden, so viel besser als ich mir erhoffen konnte!

Zu meiner Geschichte:
Unter Durchschlafstörungen habe ich sehr sehr lange gelitten. Meist schlief ich rasch ein, lag aber ab drei Uhr etwa zwei Stunden wach und döste dann nur noch ein bis zwei Stunden. Da ich daran irgendwie gewöhnt war, verursachte mir das nicht wirklich Leidensdruck. Ich hätte es wohl auch nicht als Schlafstörung bezeichnet, da es für mich einfach so normal war.
Im Mai 2015 kam dann einiges zusammen. Mein Freundeskreis löste sich mit einem Mal vollständig auf, Familie habe ich nicht mehr. Gleichzeitig befand ich mich in der Abschlussphase meiner Abschlussarbeit fürs Studium.
In diesem Zeitpunkt setzten die Einschlafstörungen ein. Ich lag stundenlang mit rasendem Herzen wach, an Schlaf war gar nicht zu denken. Ich blieb dennoch im Bett liegen, wollte ja ausgeruht sein, um meine Arbeit gut schreiben zu können. Natürlich schlief ich nicht.
Ich sollte dazu erwähnen, dass ich auch eine Posttraumatische Belastungsstörung habe und das Herzrasen auch durch Flashbacks verursacht war. Jedenfalls wurden meine innere Unruhe und meine Abneigung gegen mein Bett immer größer.

Irgendwann gab ich meine Abschlussarbeit ab und hoffte inständig, dass sich damit auch die Schlafstörung erübrigen würde - Pustekuchen. Ich nahm nach Bedarf Mirtazapin, was mich in einen komatösen Zustand versetzte, aus dem ich trotz gerinster Dosierung (1-2mg) völlig zerschlagen aufwachte. Durch das Medikament ging mir mein Antrieb und Lebensmut verloren. Also hatte ich die "Wahl" zwischen Schlaflosigkeit und am nächsten Tag immerhin einigermaßen gute Stimmung oder Komazustand und am nächsten Tag wie "vor den Kopf geschlagen" durch die Welt zu torkeln.

Ich war verzweifelt! Ohne Medikamente brauchte ich mindestens zwei Stunden bis zum Einschlafen (das war dann eine "gute" Nacht), manchmal lag ich bis um vier wach und döste nur für zwei Stunden weg. Im Schnitt schlief ich wohl etwa vier Stunden pro Nacht. Ich machte damals den Fehler, den fehlenden Schlaf am Tag nachholen zu wollen, was jedoch gar nicht gelang.
Zudem wollte ich keine Medikamente nehmen, da es mir damit nur noch schlechter ging...

Ich begann also damit, Maßnahmen zu ergreifen: ich nahm mir zwei Monate frei, begann mit Achtsamkeitstraining, machte viele Spaziergänge, Sport, besuchte Freunde.
Meine innere Unruhe wurde besser, die Schlafstörung blieb. Und meine Angst vor dem Zubettgehen wurde immer größer!

Leider befand ich mich auch äußerlich gerade in einer totalen Umbruchsituation, was alles stark erschwerte. Wohnsituation, Freunde, Studium, Arbeit, alles war dabei sich zu verändern. So blieb meine Schlafstörung bis Dezember. Ich probierte alles mögliche aus. Rituale, heiße Duschen... jeglichen Tipp, den man so zum Einschlafen kennt. Nichts half. Schließlich verrusachte mir allein das Wort "Schlaf" oder "Bett" schon Herzrasen und Anspannung.

Im Dezember war ich derart verzweifelt, dass ich mir ein Buch über Schlafstörungen und deren Behandlung auslieh. Dabei stieß ich auf die Schlafrestriktion. Und mir war klar, dass ich sie ausprobieren würde.

Es war der 22. Dezember 2015 als ich begann. Trotz des Hinweises, man solle die Kompression nicht im dunklen Winter beginnen. Die ersten zwei Wochen verbrachte ich bei verschiedenen Freunden, es war ein günstiger Zufall, dass die Feiertage gerade bevorstanden und ich sowieso frei hatte und bei Freunden zu Besuch war.
Anfangs lag ich nur 5,5 Stunden im Bett, das hielt ich aber nur so drei Nächte durch. Dann bekam ich solche Rücken- und Bauchschmerzen, dass ich auf 6 Stunden verlängerte. Meine Freunde ermutigten mich in der Zeit, und hatten stets ein offenes Ohr. Das war wirklich das Wunderbarste. Es ging mir in den ersten zwei bis drei Wochen sehr sehr schlecht. Ich hatte so großen Schlafentzug, dass ich manchmal fürchtete, einfach umzukippen. Und die Angst vor dem Zubettgehen kam immer wieder... Ja, die Zweifel, ob es wohl klappen würde, waren enorm! Es hatten ja schon so viele Maßnahmen nicht funktioniert, wieso sollte diese Maßnahme also erfolgreich sein? Diese Frage machte mir sehr viel Angst.

Und doch, ich hielt mich stur an die Regeln, die 6 Stunden Bettliegezeit hielt ich etwa einen Monat durch, dann verlängerte ich Schritt für Schritt auf 6,5 Stunden. Die Angst wurde weniger, ich merkte, dass es wirksam war. Mein Schlaf wurde tiefer, zum ersten Mal seit Jahren schlief ich durch! Und das Einschlafen wurde auch immer schneller.
Es gab natürlich immer wieder Rückschläge, in denen die Zweifel und Ängste zurückkehrten. Es kostete mich sehr große Kraft durchzuhalten. Es war schwer, mich tagsüber wach zu halten. Aber die Kompression war meine einzige Hoffnung und so hielt ich durch.

Ich möchte dazu noch erwähnen, dass ich in all der Zeit eine Therapeutin an meiner Seite hatte, die sich mit Schlafstörungen auskennt. Das war sehr wichtig und würde ich jedem empfehlen. Es kam im Verlauf der Restriktion immer mal wieder dazu, dass ich Fragen hatte und da war es gut, eine Anlaufstelle zu haben!

Und nun, acht Monate später halte ich mich immer noch "grob" an die Regeln der Kompression. Mehr als 7,5 Stunden liege ich nie im Bett, meist etwa sieben. Aber ich schlafe jede Nacht etwa 6,5 Stunden tief und fest! Und am Tag fühle ich mich fit! Mittlerweile gehe ich gerne ins Bett und ich habe wieder Lebensqualität!
Manchmal gibt es kleine Rückschläge, bzw. wer schläft schon jede Nacht gut? Ich sehe schlechten Schlaf jetzt wesentlich gelassener, weil ich weiß, dass ich ein (medikamentfreies) Mittel an der Hand habe, welches ich immer wieder einsetzen würde.

Ich bin sehr gut im Leben angekommen, habe direkt nach dem Studium einen Job gefunden, mir einen Freundeskreis aufgebaut, mir ein schönes Zuhause geschaffen. Das alles während der Kompression :).

Habt Mut und haltet durch, es lohnt sich!

Liebe Grüße
von Schlaf_wohl
 
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[EDIT] - Re: Noch ein Happy End :)

ritzelfuchs am 20.07.2016 um 18:44

Danke für die ausführliche Darstellung Deiner Leidensgeschichte und Heilung! Das gibt mir und vermutlich auch noch vielen anderen Betroffenen den Mut, es mit der Schlafkompression zu versuchen und vor allem an den Erfolg zu glauben, was in meinen Augen ein ganz wesentlicher Aspekt ist.

Dir weiterhin alles Gute!

Gruß
Ritzelfuchs
 
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Re: Noch ein Happy End :)

Silent am 20.07.2016 um 21:43

Hey Schlafwohl Grafik: Smilie Gluecklich
Ich hatte die Kompression im letzten Jahr im November angefangen und das ohne groß zu überlegen, denn ich war sehr verzweifelt....ich konnte wählen zwischen Medikamentencoctail + Alkohol (der nächste Tag ist sehr furchtbar) oder kaum Schlaf durch massive Angst nicht mehr schlafen zu können(damit ist der Tag auch nicht besser) und durch Zufall hab ich diese Seite hier gefunden und einfach damit angefangen. Es war auch bei mir sehr schwierig, da ich 20 Jahre immer irgendwas genommen hatte und konnte mir kaum vorstellen, dass man auch ohne was schlafen kann und dass sogar richtig gut?????
Tja und jetzt sind es auch schon fast 9 Monate und ich schlafe richtig gut. 6 Stunden und ich bin glücklich, denn ich brauche nicht so viel Schlaf. Den Wecker bräuchte ich gar nicht mehr zu stellen! Ich schlafe so schnell ein, das hätte ich nie erwartet. Wenn ich eine schlechtere Nacht habe, was ja vorkommt, stört mich das nicht weiter. Ich halte mich weiter an der Schlafhygiene und vielleicht schlafe ich im Winter ja mehr, weil es da dunkler ist. Wenn nicht hab ich viel Zeit für andere schöne Sachen Grafik: Smilie Zwinker Für Notfälle aber wirklich nur bei körperlicher längerer Krankheit, hab ich Zolpidem zu Hause.
Durch diese Medikamentenfreiheit bin ich auch ein anderer Mensch geworden. Ich fühle mich weitaus besser, denn viele NW sind weg und ich BRAUCHE sie nicht mehr, genauso wie Alkohol Grafik: Smilie Zwinker Diese Medis sollte man wirklich nicht für chronische Schlafstörungen nehmen, zumindest niemals so lange, denn ich hatte große körperliche und seelische Probleme mit dem Absetzen. Für mich machen die abhängig, auch wenn etwas anderes gesagt wird. Hätte ich einen Psychologen o.ä. gehabt, wäre vieles einfacher gewesen, so hab ich mich an das Forum und an das Buch festgehalten und bin unendlich dankbar dafür!!!!
LG von Silent

--
Wie fühlt sich gesunder Schlaf eigentlich an?

 
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Re: Noch ein Happy End :)

schlaf_wohl am 15.10.2016 um 19:56

Hallo silent,

schön, dass es dir auch geholfen hat!

Drei Monate später: der Effekt ist stabil. Es hat sich sogar noch verbessert. Ich schlafe zwischen 7 und 8 Stunden pro Nacht, fühle mich tagsüber ganz wunderbar. Ich würde sagen, ich habe einen gesunden Schlaf!

Also an alle, die auf dem Weg sind: haltet durch! Es lohnt sich! Und es gibt einen Weg hin zum gesunden und guten Schlaf.

Schlaf_wohl
 
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Re: Noch ein Happy End :)

Andianerjones am 15.10.2016 um 20:51

Hallo zusammen

schön zu hören das sich der anstrengende , am Anfang kaum überwindbare weg auch ohne Medikamente zu Linderung führt , was mir und bestimmt auch anderen wider mut macht nicht aufzugeben.

Momentan bin ich wirklich am ende Medikamente besonders Mitrazapin hat mich auch nicht weiter gebracht auch wenn man länger als 8 Stunden schläft ist es so das man am nächsten Tag noch müder ist als ohne Medikamente .

Bei mir ist es so das ich mittlerweile überhaupt keine Gedanken mehr habe Abends auch keine Angst vor dem Bett , selbst mitten in der Nacht wenn ich wach liege mach ich mir kaum noch sorgen was wohl am Nächsten Tag ist . Mit der zeit geriet ich durch den andauernden Schlafentzug in eine länger andauernde Depression wogegen Venlafaxin sehr gut hilf .
die ersten 5 Tage habe ich durchgehalten und habe nur 5,5 stunden im Bett verbracht sogar am Wochenende waren es nicht mehr als 6 stunden .
Letzte Woche habe ich auch durchgehalten , momentan brauche ich etwa 30 Minuten zum einschlafen und wache jede stunde ca. einmal auf bis ich ab ca. 3:00 Uhr kaum mehr schlafe .( Bettgehzeit 23:00 Aufstehzeit 5:00)
Bis jetzt war die Tagesmüdigkeit noch erträglich am Freitag hatte ich schon mühe Wach zu bleiben nur mein Hund konnte mich wach halten , heute war das Schwindelgefühl und die Müdigkeit extrem groß Mittags konnte ich nicht mehr nach etwa zwei Stunden habe ich endlich etwa zwei stunden geschlafen , danach ging es wider besser und die Kopfschmerzen ließen auch wider nach .
Anscheinend ist es noch einen langen Weg und eine Begleitung oder Psychologische Betreuung habe ich auch noch nicht gefunden .



Allen einen guten Schlaf und viele Grüße

Andi
 
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