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Thema: 7Jahre und kein Ende in Sicht
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7Jahre und kein Ende in Sicht
-Minz-
am 30.12.2011 um 05:34
habe heute wieder eine meiner vielen schlaflosen Nächten, und bin auf dieses Forum gestoßen - vielleicht lassen sich hier Leute finden, die noch ein oder 2 Tips für mich haben, wie ich meinen Schlaf verbessern kann.. und auch sonst würde ich mich über Rückmeldung freuen, habe gerade den starken Drang mit Leuten zu reden, die das selbe Problem haben wie ich :) Könnte etwas länger werden, also wem gerade langweilig ist biete ich hier ein paar Minuten Lesestoff ;)
Ich bin 21, weiblich, besuche derzeit ein Abendgymnasium, nicht Arbeitstätig.
Meine Schlafstörungen begannen als ich 14 war, mit einem Nahtoderlebnis bei einer OP. Ich hatte danach monatelang panische Angst vor dem Einschlafen, das bloße im Bett liegen führte zu Panikattacken inkl. völligem Erstarren, Atemproblemen... Damals wurde ich als "nicht therapierbar" abgestempelt und bin alleine damit fertiggeworden.
Aber die Schlafstörungen fingen erst an, immer häufiger konnte ich einfach nicht einschlafen, worunter die Schulnoten sehr litten. Teilweise war ich 4Tage lang wach, nur gelegentlich im Unterricht bin ich eingenickt. Dazu kamen noch schwere Depressionen.
Mit 16 habe ich dann eine Psychotherapie begonnen, bei der die Schlafstörungen bis heute ein Hauptthema sind.
Parallel war ich noch bei dem ein oder anderen Arzt, habe ein recht anschauliche Palette an Tabletten ausprobiert, die alle nicht so recht wirken wollten.
Eine Weile war ich so verzweifelt/psychotisch, dass ich sogar die dumme Kombination Schlaftablette-Alkohol probierte, tägliche Überdosis - kein Schlaf.
Nach einem kompletten selbstauferlegten Entzug entschied ich mich für einen anderen Weg, und probierte
Akupunktur, chinesische Kräutertees, Pflanzliche Mittel wie Passedan, Baldrian, Bachblüten, Hypnose, Sport, fixe Schlafzeiten, Nahrungsumstellung, Meditation, Yoga, beruhigende Musik.
Und natürlich kein Erfolg. Schilddrüse etc. konnte man auch ausschließen.
Juli 2010 entschied ich mich für eine Nacht in ein Schlaflabor zu gehen:
Ein- und Durchschlafstörungen mit Tagesmüdigkeit, zu kurze Schlafzeit, zu kurze REM- & Tiefschlafphase, Schlafapnoe
mit einem Rezept für Trittico retard und Ivadal bin ich wieder heim.
Über dem Sommer bis jetzt hab ich es (wieder) mit Trittico probiert, konnte anfangs wunderbar einschlafen, auch besser durchschlafen, nur die Tagesmüdigkeit blieb, und nach einer Weile ließ die Wirkung auch nach.
Heute ist die erste Nacht, in der ich Ivadal 10mg genommen habe (Anfangs nur 1/4 auf ärztliches Drängen hin). Ich konnte auch relativ schnell einschlafen (war davor aber auch über 24h lang wach) und nach ca.3h...wach.
Jetzt sitze ich hier bis 6, dann geh ich erst mal mit den Hunden für eine Stunde spazieren. Manchmal werde ich davon müde, aber meistens bin ich wieder wach, sobald ich zuhause bin.
Dann beschäftige ich mich bis ca 10~ 13.00 bis ich wieder einschlafen kann. Tagsüber kein Problem, nur nachts kann ich meistens nicht schlafen. Selbst wenn ich es schaffe meinen Rhythmus wieder auf Tag-wach einzustellen, nach ca. 2 Wochen stellt er sich wieder um, egal wie sehr ich versuche, ihn beizubehalten. Noch dazu wechsle ich ständig zwischen gar nicht schlafen und nicht aufwachen können. Einen Monat lang bin ich ständig müde, selbst beim Laufen mit den Hunden. Wenn ich dann 5min angelehnt stehe oder sitze nicke ich ein. In Prüfungsphasen habe ich mir dann während dem Lernen immer einen Eisbeutel ins Gesicht gelegt, bis ich mit dem Gesicht auf dem Eis eingeschlafen bin. Kalte Duschen, Kaffee, Energydrinks, Bewegung, die kalte Morgenluft - nichts hält mich wach.
Und dann kommt wieder die Phase, in der ich fast gar nicht schlafe.. und so geht es ewig dahin. Ab und zu befinden sich Phasen dazwischen, in denen ich ganz normal schlafen kann, halten aber leider nicht lange an. Alle 3 Phasen haben gemeinsam, dass ich meine Beine nicht stillhalten kann. (kein RLS) Bis ich einschlafe bewege ich sie schon fast automatisch, unterdrücke ich es, zucken meine Beine irgendwann plötzlich aus, als würde sich zu viel Energie anstauen, die über den Damm bricht. Auch im Sitzen oder Stehen muss ich ständig in Bewegung sein, bin generell etwas nervös und angespannt.. es fällt mir auch sehr schwer, mich zu entspannen - einfach hinlegen und durchatmen geht gar nicht.
Soweit zu meiner Situation.. hoffe niemand stößt sich an der Ausführlichkeit ;)
Vielleicht findet sich hier ja wer, dem es ähnlich geht, der vielleicht noch ein paar Tricks kennt, die ich noch nicht probiert habe - bei zu viel und zu wenig Schlaf (bin für alles offen). Vielleicht kennt auch jemand das Problem mit den zuckenden Beinen die gerne weglaufen würden?
Freue mich schon auf eure Antworten,
bis dann und Guten Morgen :)
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Re: 7Jahre und kein Ende in Sicht
Reinhard
am 30.12.2011 um 08:32
Ich habe Deine Schilderung mit Interesse gelesen. Du hast enorm viel unternommen und alles klingt sehr reflektiert.
So ganz konkret kann ich Dir nicht helfen, allerdings schreibst Du, dass Du damals als nicht-therapierbar abgestempelt worden und dann alleine damit fertig geworden bist.
Da der Auslöser des Ganzen ganz offensichtlich in der beschriebenen Nahtoderfahrung wurzelt, also einem Trauma für die damals noch recht junge Psyche, wäre meine Frage, wie es in der Folgezeit mit der Aufarbeitung des psychischen Traumas ausgesehen hat? Oder kam da nichts mehr?
Bei fast allen schwer Schlafgestörten liegt der Schlüssel zur Besserung vor allem in der eigenen Psyche. Und ich bin überzegut, dass das auch bei Dir der Fall ist.
Wenn Du damals als nicht-therapierbar eingeordnet wurdest, aus welchen Gründen auch immer, dann muss das erstens nicht so gewesen sein und zweitens kann es sich geändert haben - mittlerweile bist Du schließlich 19! Wobei sich "nicht-therapierbar" für mich ohnehin so anhört, als hätte da der einzelne Mediziner gesagt: ICH kann dir nicht helfen. Was gar nichts aussagt.
Bei mir waren es nahezu acht Jahre Schlafhölle, bis endlich die Wende eintrat. Und alles begann mit dem Blick nach Innen bzw. mit dem ins-Innere-Einblick-geben. Damit war es nicht getan, bei weitem nicht, aber ohne dies wäre es wohl nicht möglich gewesen.
Liebe Grüße,
Reinhard
Ostfront
Acht Jahre Krieg
Und tausend Jahre Hölle
Und nirgends ein Ende in Sicht
Wie sehr ich es hasse
Dieses: Aufstehen, Kamerad
Mitten in der Nacht
Hinaus ins Feuer
Und vorwärts
Gnadenlos
Wo alles stets noch schmerzt von der gestrigen Schlacht
Blutet
Und niemals so wirklich heilen kann
Und so raffe ich mich hoch
Mit letzter Kraft
Weil es keine Alternative dazu gibt
Nur Aufgabe und Tod
Über Gräber taumelnd
In Gräbern liegend
Dem Grabe entfliehend
Allein auf weiter Flur
Müde wie tausend Mann
Erschaudernd
Leer
Zerschossen
Und unendlich tapfer
Was ich einfach nicht fassen kann:
Dass ich immer noch laufe
Dass ich immer noch hoffe
Dass ich hier schon mal war
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Re: 7Jahre und kein Ende in Sicht
-Minz-
am 30.12.2011 um 12:01
Ich bin sogar 21 ;)
Es ist wie du sagst, damals hat mich die damalige "Therapeutin" nach wenigen Stunden entlassen, ihre Schilderung meinen Eltern gegenüber gäbe es nichts, was zu therapieren wäre. Erst viel später kam meine Mutter dahinter, (ich weiß nicht mehr genau wie) dass sie einfach nicht an mich rankam und mich deswegen "abgab".
Anfangs standen zwar eher die Depressionen im Vordergrund der Therapie, seid ca 2 Jahren aber arbeite ich mit meiner Therapeutin gezielt das Trauma auf. Da ich das Thema eigentlich schon längst abgeschlossen hatte, merke ich nicht wirklich, wie sehr das etwas ändert..
Dass mein Körper immernoch die -ich sage mal traumatisierende- Erinnerung hat, macht sich bei mir auch regelmäßig bemerkbar, zB durch das häufige Gefühl keine Luft zu atmen. (Damals hatte ich ein Lungenversagen)
Manchmal habe ich das Gefühl, dass zwar die ursprünglichen Schlafstörungen mit den Trauma zu tun hatten, dass es sich aber mit der Zeit auf Prüfungen verschoben hat. Auch dieses Semester konnte ich ganz normal, regelmäßig und tief schlafen - bis die Prüfungen angefangen haben. Eine Woche vor der ersten Prüfung fängt es an, und endet mit Notenschluss.
Therapeutisch fühlt es sich derzeit wie eine Sackgasse an.. Ich arbeite und arbeite an dem Problem, aber es ändert sich nichts. Besonders im Winter, wenn sich die Depressionen auchnoch verstärken bringt mich das Ganze oft zur Verzweiflung, ich will einfach nur endlich meinen Abschluss.
Vielleicht hatte ich auch deshalb das Bedürfnis, mich an andere Leute zu wenden, die wissen wovon ich rede.
Falls es dir nicht zu persönlich ist, würde mich auch deine Geschichte und dein Weg hinaus interessieren :)
Liebe Grüße,
Minz
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Re: 7Jahre und kein Ende in Sicht
fridolin
am 30.12.2011 um 17:15
ich bin immer wieder "froh" auf Leidensgenossen zu stoßen. Ich glaube fast, eins haben die schon länger Schlafgestörten gemeinsam, sie erlitten jeder auf seine Weise eine Art Schock, den das Unterbewusstsein im Schlaf, oder davor wieder auspackt... Bei mir waren es psychische Gründe, ich habe mich von meinem Mann getrennt und hatte Existenzängste auszustehen, damit hat es angefangen... Es gibt mal gute und schlechte Phasen. Ich kenne das mit den schlechten Nächten in Prüfungsphasen auch. Ohja. Die Woche in der ich Abi hatte, die war echt ein Graus! Und auch im Studium hatte ich Mega- Angst irgendwas zu verhauen... Tja, Ratschläge habe ich irgendwie keine- die Psyche beruhigen, aber wie?
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Re: 7Jahre und kein Ende in Sicht
-Minz-
am 30.12.2011 um 18:55
Ja, WIE ist die Frage.. das Aufarbeiten kann ja ewig dauern.. aber bis dahin? Ich will mich nicht damit abfinden, dass ich einfach nicht schlafen kann..
Du sagst im Studium hattest du Angst, bist du jetzt berufstätig? Ich habe versucht geringfügig zu arbeiten, aber da ich ständig bei der Arbeit - auch bei der Bedienung von schweren Geräten- eingenickt bin war das unmöglich, weshalb ich weiter versuche meinen Abschluss zu schaffen. Aber ich merke immer, dass ich in den Ferien viel produktiver bin, ich kann gut schlafen und halte auch viel mehr Arbeit aus- deshalb meine Überlegung, ob der Prüfungsstress wegfallen würde, wenn ich arbeiten würde. Oder ergibt sich dann eine andere Art von Stress, die mich erst wieder vom Schlafen abhält?
Wie war es bei dir, wurde es ohne Prüfungen besser?
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