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Thema: mal ganz allgemein..
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Re: mal ganz allgemein..
kaffee74
am 09.12.2011 um 23:37
Ich bin halt selber so ein typischer Fall von jemandem, der eigentlich normal schläft, mit einer Tendenz zu "schlecht", aber nicht wirklich dramatisch, aber ich leide auch immer erheblich unter einer schlaflosen Nacht wenns mal nicht geklappt und neige arg dazu, sehr nervös zu werden und mich da hineinzusteigern. Hab auch schon einiges an Alkohol und Versuchen mit Medikamenten deswegen hinter mir. Wie nervig das ist, ist mir durchaus bekannnt. Aber man hat doch eh keine andere Wahl, als irgendwie zu versuchen, damit klarzukommen! Und es leicht zu nehmen (auch wenns schwer fällt) ist auf jeden Fall hilfreicher, als es noch weiter zu problematisieren. Und die OBJEKTIVE Bedrohlichkeit hält sich nunmal in Grenzen. Klar vernichtet das jegliche Lebensfreude und gute Laune, kein Zweifel. Aber wie gesagt, das lebensnotwendige Erholungsminimum bekommt man auf jeden Fall.
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Re: mal ganz allgemein..
Reinhard
am 10.12.2011 um 08:57
Zitat:
Doch, chronische Schmerzen würde ich als schlimmer bzw. schwerer ertragbar einstufen.
Keine Frage: Chronische Schmerzen sind grauenvoll und bei extremer Ausprägung ganz gewiss geradezu unerträglich. Aber Gleiches gilt auch für die extreme Schlafstörung: sie bringt dich an den Rand deiner Existenz; sie wird in jeder Bedeutung des Wortes lebensbedrohlich. Dauerhaft fehlender Schlaf führt zwangsläufig zu depressiven Verstimmungen oder anhaltenden Depressionen - und somit definitiv an den Abgrund.
Das tückische an der dauerhaft eingebrannten Schlafstörung ist zum einen die Tatsache, dass man nicht wirklich aktiv etwas machen kann, eher drumherum, Schlafhygiene, Aufarbeiten psychischer Probleme, vereinzelt auch rein organische Ursachen. Sie ist wie ein Vogel, der dann garantiert wegfliegt, wenn man ihn ergreifen will. Nur dann, wenn man sanft die Hand öffnet, kommt er vielleicht heran und setzt sich darauf.
Bei chronischen Schmerzen kann man, wenn man denn die Ursache weiß, zumindest aktiv drauf zusteuern, z.B. eine OP bei RÜckenschmerzen oder Rückentraining, usw.
Zun anderen kommt bei der Schlafstörung eine Komponente hinzu, die man nicht verkennen darf. Jeder hatte schon mal (punktuell) grauenvolle Kopf- oder Zahn- oder Rückenschmerzen und kann sich somit vorstellen, was es heißt, wenn sowas bleibend ist. ABER: Selbst wenn man mal eine oder mehrere Nächte schlecht geschlafen hat, kann man sich unmöglich ausmalen, was es bedeutet, monate- oder gar jahrelang so gut wie nicht zu schlafen, keine Erholung zu finden und völlig ausgelaugt wie ein Zombie durch die Tage zu kriechen, entfremdet von sich selbst.
Und daraus resultiert ein permanentes Unverständnis, selbst bei Ärzten: ja, ja, du bist müde, schläfst schlecht, aber was willst du überhaupt, dir geht's doch sonst gut und du hast doch alles.
Objektiv hatte ich nahezu alles, was man sich wünschen kann - und subjektiv hatte ich NICHTS, als wäre mein Bewusstsein implodiert und meine Seele ausgesaugt.
Ich will's gar nicht gewichten, beides ist Horror. Aber das perfidere ist die Schlafstörung.
Viele Grüße,
Reinhard
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Re: mal ganz allgemein..
Reinhard
am 10.12.2011 um 09:17
Zitat:
Und die OBJEKTIVE Bedrohlichkeit hält sich nunmal in Grenzen. Klar vernichtet das jegliche Lebensfreude und gute Laune, kein Zweifel. Aber wie gesagt, das lebensnotwendige Erholungsminimum bekommt man auf jeden Fall.
Genau hier widerspreche ich entschieden.
Ganz praktische Gefahren sind sowas wie Sekundenschlaf beim Autofahren (wie oft musste ich rechts ranfahren und mich hinhauen!), generelle Unaufmerksamkeit im täglichen Leben (shit, die Straßenbahn habe ich einfach nicht gesehen), Konzentrationsmangel am Arbeitsplatz, usw. Letzteres ist bei einem Bürojob vielleicht halb so wild, von eingeschränkter Abreitsleistung mal abgesehen, aber bei Taxifahrern, Dachdeckern, Chirurgen, Elektrikern, Straßenbauern, Malern, usw. nicht zu unterschätzen.
Als obektiv würde ich ferner die heranrauschende Depression bezeichnen, einhergehend mit zunehmener sozialer Isolation und Abkehr vom normalen Leben: Schubs für Schubs dem Umglücklichsein, dem Abgrund und irgendwann dem Suizid entgegen.
Eine höchstgefährliche Bestie, die sich Nacht für Nacht im Dunklen an die Bettkante schleicht...
Viele Grüße,
Reinhard
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Re: mal ganz allgemein..
fridolin
am 10.12.2011 um 11:22
Gut, man darf nicht vergessen,dass Schlafentzug eine Foltermethode war, und es ist jedem Schlafgestörten klar, dass es eine Folter ist. Und auch, dass man unausgeschlafen oft ein ganz anderer Mensch ist mit besorgniserregenden Konzentrationsstörungen. Ich glaube aber das Kaffee vor allem die anspricht, die ab und zu eine schlechte Nacht haben und dann aufgrund der selbstgemachten Angst wieder nicht schlafen können. Dazu gehöre ich mitunter auch. Allerdings habe ich auch schon meine Erfahrung mit mehrtägigem Schlafentzug gehabt. Und da bin ich richtig panisch geworden und musste letztendlich in die Psychiatrie. Ich habe halt das Gefühl, dass einem da eh niemand helfen kann. Leider. Man ist allein in seinem Bett und niemand kann den Schlaf zu einem holen... Mich würde echt interessieren, was ihr für Erfahrungen gemacht habt. Wie alt ihr seid, wann eure Schlafstörungen angefangen haben und wie ihr damit umgeht....
Ganz lieben Gruß
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Re: mal ganz allgemein..
kaffee74
am 10.12.2011 um 21:41
. Das scheint mir auch auf den Reinhard zuzutreffen, basierend auf seinen anderen Postings. Er beschreibt ja den Prozess des "sich öffnens und sich selber endlich eingestehen, dass man evtl Therapie braucht" als das, was letztendlich geholfen hat. Das is einerseits veständlich, andererseits legt es den Gedanken nahe, dass es vorher anders war, und dass es für Reinhard ein ziemlich heftiger Schritt war, dieses sich-selbst-eingestehen und öffnen. Ich bin da ganz anders gestrickt, ich bin eh ziemlich offen mit mir selber, und ich hab mich schon mehrmals gefragt, wieso das für Reinhard so ein Problem ist. aber es gibt ja viele Leute, die verinnerlicht haben. dass sie "funktionieren müssen", und das zehrt natürlich enorm an der Substanz. Kenn ich auch selber. Die Phasen bei mir, wo der Schlaf arg schlecht war, waren eigentlich auch fast immer Sitationen, wo man sich über den Erschöpfungspunkt hinaus zum funktionieren zwingt. Klappt halt nicht. Musste aber auch erstmal begreifen wie ich da gestrickt bin, aber seitdem geht das eigentlich.
Zu Fridolins Frage.. früher war es so, dass ich nach einer Nacht mit schlechtem Schlaf am Tag drauf tierisch nervös (und depressiv verstimmt war), das endete dann meistens ziemlich betrunken (halt den Schlaf mit Alkohol erzwingen). War zwar nicht so toll aber ging auch irgendwie
. Wobei ich im Nachhinein sagen muss, ich hab da noch nicht ganz realisiert dass das eigentliche Problem eher war, dass ich in einer Lebenssituation war (noch zuhause bei Eltern wohnend, poblemaisches Verhältnis, ziemlich unter Druck stehend), wo ich quasi auch "funktionieren musste", und das war einfach zu viel. Das hat sich mittlerweile geändert, jetzt hab ich weitgehend meine Ruhe und deutlich weniger das Gefühl, unter Druck und Verpflichtungen zu stehen, und siehe da, es klappt auch mit dem Schlafen besser.
Und wenn ich jetzt mal nicht schlafen konnte.. wie geh ich damit um? Ich nehms halt hin.. fühl mich dann doof, aber sage mir "ich fühle mich doof und mache mir auch Sorgen, aber ich weiss genau, ausser dass ich mich doof fühle passiert mir nix deswegen, und wenn ich jetzt wieder ins Bett gehe, kann ich mir sicher sein, egal wie es kommt, mir wird nix passieren, das Mindestmaß an Erholung kommt auf jeden Fall, und das regelt sich schon wieder".
Dazu kommt noch die Erfahrung, dass man in der Regel mehr schläft, als man denkt.. wie oft hatte ich es schon, dass ich zu meiner Freundin sage "ich kann gar nicht schlafen", und sie dann anwortet "du hast aber eben geschnarcht". oha. Ich bin mit der Aussage "ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen" seitdem deutlich vorsichtiger. Ich sage höchstens "ich habe den Eindruck, die ganze Nacht nicht geschlafen zu haben". Hilft auch dabei, wenn man sich nicht verrückt machen will.
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