Forum
Moderatoren: Michael, TilmannMueller
Thema: Totale Erschöpfung / Burnout durch lange Schlafstörung
| (Registrierung notwendig) |
Totale Erschöpfung / Burnout durch lange Schlafstörung
kuehledunkle
am 11.08.2010 um 09:18
ich hätte mal eine Frage an alle Schlafgestörten, die schon längere Zeit mit den Störungen geplagt sind:
Kann man durch eine lange, dauerhafte Schlafstörung (ca. 1 Jahr) in eine totale Erschöpfung / Burnout rutschen und nicht wieder eine normale Gesundung erfahren?
Ich habe das Gefühl, wenn ich mal länger schlafen kann am WE, bin ich morgends nach dem Aufwachen, obwohl ich geschlafen habe, immmer noch so müde als hätte ich gar nicht geschlafen, und kann mich nur mit absolutem Zwang aus dem Bett quälen. Am vergangenen WE musste ich mich jeweils nachmittags nochmal hinlegen, weil ich die Müdigkeit nicht mehr aushalten konnte.
Und noch eine Frage: Weiß Euer Arbeitgeber von dieser Krankheit und wie geht er damit um? Seit ich zum Anfang der Störungen vor ca. einem Jahr die Karten auf den Tisch gelegt habe, weil ich mehrere Tage krank geschrieben war, behandelt man mich hier mit Samthandschuhen, als hätte ich ein Schild am Kopf hängen: "Vorsicht, psychisch gestört". Man hat Teile meines Arbeitsbereiches auf andere Kollegen verteilt (ich könnte ja mal wieder länger ausfallen), mir ein neues Gebiet hinzugegeben, was aber das Wegfallen der anderen Bereiche alles andere als ausgleicht und das mir auch keinen Spaß macht. Das heißt ich bin (außer in 2 Wintermonaten) überhaupt nicht ausgelastet. Dieses wiederum trägt dazu bei, dass ich mich morgens frage warum ich überhaupt aufstehen soll, das Selbstvertrauen geht noch mehr in den Keller; das habe ich nun von meiner Offenheit. Ich müsste mich eigentlich nach neuem Job umschauen, aber wie, wenn die Kraft nicht mal mehr für den jetzigen Alltag reicht?
Ich habe einen Antrag auf Reha laufen, wenn der abgelehnt wird, weiß ich nicht mehr weiter.
Vielleicht hat der eine oder andere von Euch noch eine Idee...
Danke fürs Lesen auf jeden Fall.
Viele Grüße,
kühledunkle.
| (registrierte Mitglieder) | |||
|---|---|---|---|
Re: Totale Erschöpfung / Burnout durch lange Schlafstörung
supertramp
am 11.08.2010 um 19:43
ich würde versuchen den Teil deiner Arbeit positiver zu bewerten. Zum einen meinen deine Kollegen anscheinend wirklich gut mit dir, zum anderen kannst du ja ansprechen, dass du nicht zu sehr mit Vorsicht behandelt werden möchtest. Als ich noch arbeiten war (bis Februar diesen Jahres), war ich ein unverzichtbarer Mitarbeiter in meiner Firma und das legte zusätzlich noch eine ungeheure Last in meinen Hinterkopf ("Ich muss unbedingt fit sein und funktionieren!"). Nur funktioniert unsere Psyche nicht so, wie wir es gern hätten. Leider.
Ich hab es in 13 Jahren Schlafgestörungen nicht geschafft wirklich klarzukommen und damit gut umzugehen, aber ich muss auch sagen, dass ich nicht immer alles richtig gemacht habe und bis heute nicht tue (also speziel Schlafhygiene). Also ist da vielleicht noch ein bisschen drin und dann eine Veränderung des Denkens, die wohl das Allerschwerste ist. Ich krieg so ne Art Panik und mein Körper schießt viel Adrenalin raus, wenn ich nicht kurz nach dem Ins-Bett-Gehen einschlafe. Dann kann ich die nacht vergessen. So denke ich zumindest. Aber mit anfänglichem Schlafentzug und/oder Schlafrestriktion kann ich vielleicht doch noch ne Verbesserung und eben auch ne Änderung meiner Einstellung schaffen ("Ich muss nicht schlafen - ich kann nachts auch was anderes machen und schaffe den Tag auch so irgendwie und schlafe die nächste Nache sicher besser ..." - so ungefähr).
Das positive Denken ist sicher hartes Training und kann wohl eher auf guten Erfahrungen aufbauen, die man sich am besten selbst schafft.
Vielleicht könnte man sich bei einem Schlafentzug oder einer Schlafrestriktion gegenseitig unterstützen und sich Tipps zum Zeitvertreib und zum Durchhalten geben. Das fällt mir noch so ein.
Zum Job noch: ich würde an deiner Stelle eins nach dem anderen versuchen. Wenn du auf der Arbeit nicht voll ausgelastet bist, hast du vielleicht mehr Energie für ein neues Hobby z.B. oder reduzierst deine Stunden ggf. und bist in deinen z.B. 30 Stunden (weiß allerdings gar nicht, wie lange du arbeitest^^) dann doch voll ausgelastet.
Eine Reha ist sicher eine gute Idee für neue Impulse und einach mal rauskommen, aber erwarte da auch nicht zuviel von, vor allem da sie noch nicht zugesagt ist.
LG
supertramp
| (registrierte Mitglieder) | |||
|---|---|---|---|
Re: Totale Erschöpfung / Burnout durch lange Schlafstörung
my4fun
am 12.08.2010 um 23:07
ich lese hier seid einigen Jahren mit und bin froh, dass einmal jemand dieses Thema anspricht und ein aehnliches Problem zu haben scheint wie ich. Leider kann ich keine Loesung bieten, ich habe aber bisher angenommen, dass ich wohl ein totaler Sonderfall bin und habe meine Erfahrungen hier auch deshalb nicht geschildert, weil ich niemanden verunsichern und keine Angst machen moechte.
Zu meiner Geschichte: Nachdem ich schon lange unter immer mal wiederkehrenden Schlafstoerungen litt, dh. dass ich so 2-3 Naechte im Monat nicht schlafen konnte wurde meine Schlafstoerung Mitte 2007 durch extreme Belastungen so schlimm, dass ich wirklich ueber Wochen kaum Schlaf fand. Auch im Schlaflabor wurde mir dann bestaetigt, dass ich tatsaechlich die Nacht vollkommen wach verbrachte und nicht an einer Fehlwahrnemumg des Schlafzustandes litt. Ich nahm dann Zolpidem,musste die Dosis aber sehr schnell steigern, ging zum Psychologen und versuchte es dann mit der Schlafrestriktion, die bei mir auch erstaunlich schnell funktionierte. Ploetzlich aber, wirklich von einen Tag auf den anderen konnte ich ueberhaupt nicht mehr aufstehen, ich bin nicht mehr als 4 Stunden pro Tag aus dem Bett gekommen und konnte auch da vor Erschoepfung kaum etwas machen. Einfache Taetigkeiten, wie Duschen, ein Brot machen etc. fielen mir sehr schwer. Das war extrem erschreckend fuer mich. Ich war dann wieder im Schlaflabor, dort stellte man dann fest, dass ich zwar denke, dass ich schlafe, aber ich de facto nicht die Schlafstadien 3 und 4 erreichte und so wohl diese extreme Erschoepfung zustande kam. Ich bekam dann Mirtazapin, aufgrung seiner Tiefschlaf foerdernden Wirkung und von einen auf den anderen Tag, also gleich nach der ersten Nacht mit Mirtazapin konnte ich wieder aufstehen und alles machen. Leider verschlechterte sich dieser Zustand dann schleichend wieder, es wurde zwar nie wieder so schlimm, dass ich nur 4 Stunden am Tag aus dem Bett kam, aber ich war erschoepft und viele Dinge fielen mir schwer. Gut also Kardinalsymptome einer Depression. Obwohl ich mich selber nicht fuer depressiv hielt machte ich also verschiedene Psychotherapien und wurde mit verschiedenen Antidepressiva behandelt. Nichts half mir wirklich und meine Psychologin erklaerte mir irgendwann, dass sie bei mir definitiv keine psychologischen Probleme siehr und dass sie eine weitere Psychotherapie nicht fuer sinnvoll haelt. Bei der naechsten Schlaflaboruntersuchung stellte man dann fest, dass ich inzwischen zwar Tiefschlaf erreiche der aber immer wieder und viel zu oft unterbrochen wird. Dann war man auch dort ratlos.
Ausserdem ist es inzwischen so, dass es mir 4 Tage die Woche gur geht und ich ein ganz normales Leben fuehren kann. Die anderen 3 Tage, von denen ich nie abschaetzen kann wann sie eintreten und ich deshalb sehr oft DInge absagen muss, weil ioch einfach zu erschoepft bin, geht gar nichts. Ich bin, dann Muede und habe Schuettelfrost und brennende Augen. DIe Arbeit versuche ich immer zu machen und wenn ich nicht voran komme, hole ich sie an den anderen Tagen nach, was bei mir nicht so ein Problem darstellt.
Ich bin 26 Jahre alt und habe einen schoenen Job, der mich fordert und mir wahsinnig viel Spass macht, einen Partner mit dem ich zusammenlebe und keine Kinder.
Ich wuerde mich sehr freuen, wenn sich irgendjemand bei mir meldet, der sich ansatzweise in dieses Symptomen wiederekennt. Auch ueber ein Kommentar von Herrn Dr. Mueller waere ich sehr dankbar,denn nach meinen Recherchen ist so ein Stoerungsbild nach Schlafstoerung bisher nicht beschrieben, aber vielleicht gibt es ja zumindest ERfahrungen.
Danke an alle die sich die Muehe gemacht haben dieses Text zu lesen!
| (registrierte Mitglieder) | |||
|---|---|---|---|
Re: Totale Erschöpfung / Burnout durch lange Schlafstörung
kuehledunkle
am 13.08.2010 um 08:43
vielen Dank für Deine Anregungen.
Zur Schlafrestriktion kann ich sagen, dass ich mich nicht rantraue.
Ich muss, ob ich will oder nicht, mind. 8 Std. am Tag mit Zahlen arbeiten (was mir eigentlich keine Probleme bereitet), und da kann ich es mir nicht leisten, noch müder zu werden als ich eh schon bin.
Ich merke, dass mir das "ich bin nicht ausgelastet" sehr zu schaffen macht, mehr als würde ich zuviel zu tun haben. Da kann ich mir auch nichts schön reden. Ich werde wahrscheinlich einen Teil wieder zurück bekommen, nachdem ich mich hierfür extrem eingesetzt habe.
Der Job ist für mich wichtig und ich bin auf ihn momentan Vollzeit (40 Std.) angewiesen, da ich Single bin und
die Kosten heutzutage...wenn man sich auch noch Urlaub leisten möchte, sowieso.
Danke trotzdem für Deine Ideen.
LG,
kühledunkle.
| (registrierte Mitglieder) | |||
|---|---|---|---|
Re: Totale Erschöpfung / Burnout durch lange Schlafstörung
irisn
am 15.08.2010 um 15:43
ıch glaube schon
Ich hatte jahrelang schlafstörungen seit ich 15 oder so war und mitte 20 war ich dann total burnt out. jetzt muss ich nachts 9 stunden schlafen (das kann ich nur mit schlafmitteln) sonst bin ich kaputt.
| (registrierte Mitglieder) | |||
|---|---|---|---|
| (Registrierung notwendig) |