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Thema: Frage bzgl. Schlafkompression an Herrn Dr. Tilmann-Müller

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Frage bzgl. Schlafkompression an Herrn Dr. Tilmann-Müller

Laura35 am 03.02.2010 um 09:16

Sehr geehrter Herr Dr. Tilmann-Müller,
bei mir begannen die Schlafstörungen ohne wirklichen Grund, aber ich bin relativ schnell in den Teufelskreis der verselbständigten Störung geraten. Ich habe dann schon nach einer Woche mit der Schlafkompression begonnen und nach 4 Wochen auch großen Erfolg gehabt. Teilweise habe ich 6-6,5 Stunden am Stück über 11 Tage geschlafen, begonnen hatte ich die Schlafkompression mit 6,30, dann 6,45 Stunden. Zwischendruch gab es dann mal einzelne schlechte Nächte, wenn ich vor dem nächsten Tag aufgeregt war. Seit 2 Wochen bin ich wieder in einem totalen Tief und denke dauernd darüber nach, dass manche Menschen diese Störungen über Jahre haben und ihnen dann auch die Kompression oder Restriktion nicht geholfen hat. Wenn bei mir keine körperlichen oder größeren psychischem Probleme vorliegen, kann ich dann darauf vertrauen, dass mit Beibehaltung der Kompression und etwaiger Verkürzung auf 6,3 Stunden ich wieder dauerhaft erfolgreich sien werde? Mir fehlt einfach die Zuversicht und die Horrorszenarien anderer Menschen machen mir dann Angst, die natürlich alles wieder verschlimmert.
Viele Grüße,
Laura
 
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Re: Frage bzgl. Schlafkompression an Herrn Dr. Tilmann-Müller

TilmannMueller (webmaster) am 03.02.2010 um 10:00

Hallo Laura,
eine 100 Prozent Garantie werden Sie von keinem Experten bekommen - schon garnicht per Internet, aber auch so nicht.
Generell kann man sagen, dass 2/3 der Patienten mit chronischen Schlafstörungen durch die Schlafkompression anhaltende stabile Verbesserungen erzielen und dass 1/3 Werte erreicht, die man als "normal" ansieht, d.h. eine mittlere Schlafdauer zwischen 6-7h.
Dass es im Zuge einer Schlafkompression immer mal wieder gerade in der Anfangszeit (d.h. in den ersten Monaten) zu Einbrüchen kommt, ist ganz normal. Meistens gehen diese Einbrüche mit einer vollen Aktivierung des Teufelskreislaufs einher. Dem liegt zugrunde, dass die frühere Erfahrung schlafloser Nächte sich quasi ins Gedächtnis eingebrannt hat und durch situative Merkmale wie eine erneute schlechte Nacht (die ja auch bei gesunden Schläfern vorkommt) unmittelbar wieder aktiviert wird mit allen früheren unangenehmen Gefühlen und Zuständen. Je weniger Sie auf diesen Angstmechanismus voll einsteigen und je konsequenter Sie sich weiterhin an die Schlafkompression halten, desto eher werden Sie solche Tiefpunkte wieder verlassen können.
Und je häufiger Sie diese Erfahrung machen, desto eher kann die frühere Erinnerung allmählich verblassen.

Mein Eindruck ist auch ein bißchen, dass bei Ihnen möglicherweise eher die Anfälligkeit für solche Angstszenarien das eigentliche Problem darstellt und weniger die Schlafstörung selber.
Der Wunsch nach einer 100% Sicherheit und die Bewertung einer chronischen Schlafstörung als "Horrorszenario" sind natürlich per se geeignet, in der nächsten Nacht schlecht zu schlafen. Häufig findet man solche Ängste bei Menschen, die zu Überkontrolliertheit und ausgeprägtem Perfektionismus neigen, was aber auf Sie nicht zutreffen muss. Dennoch würde ich empfehlen, vielleicht eher einmal neben der Schlafkompression auch an Ihren gedanklichen Fallstricken zu arbeiten. Ein sehr gutes Selbsthilfebuch in dieser Hinsicht ist "Die zehn (10) dümmsten Fehler kluger Leute: Wie man klassischen Denkfallen entgeht (Taschenbuch)" von Rose DeWolf und Arthur Freeman.

Mit freundlichen Grüßen
T. Müller
 
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Re: Frage bzgl. Schlafkompression an Herrn Dr. Tilmann-Müller

Laura35 am 03.02.2010 um 11:02

Vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie haben da den Nagel genau auf den Kopf getroffen, es sind wirklich meine eigenenen Gedanken, die mich wieder in dieses Tief getrieben haben. Früher hatte ich wenig Probleme mit negativem Denken, ich war eher ein sehr positiver Mensch, aber durch den Tod meiner Mutter aufgrund von Krebs habe ich irgendwie das Vertrauen in eine glückliche, gesunde Zukunft verloren und mache mir viel mehr Sorgen als früher. Das Buch werde ich mir auf jeden Fall besorgen. Herzlichen Dank nochmal für Ihre Nachricht.
 
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Re: Frage bzgl. Schlafkompression an Herrn Dr. Tilmann-Müller

Joerg_Berlin am 03.02.2010 um 21:36

Hallo Laura,

vielleicht wäre auch eine professionelle Hilfe zur Bewältigung der Erlebnisse hilfreich? Das nur als Gedanken.

Mit eine der schlimmsten "Nebenwirkungen" von Krebs ist auch die Verletzung der Psyche der Patienten und des Umfeldes. Da sich Hilfe zu suchen und anzunehmen, dass kann sehr helfen. Vielleicht auch eine gute Selbsthilfegruppe.

Viele Grüße und alles erdenklich Gute

Jörg

--
Internet-Selbsthilfegruppe Narkolepsie Berlin

 
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Re: Frage bzgl. Schlafkompression an Herrn Dr. Tilmann-Müller

Laura35 am 05.02.2010 um 09:58

Hallo Jörg,

das werde ich mir auch mal überlegen, ich hätte das damals gleich machen sollen, aber in meiner Familie war eine Psychotherapie irgendwie verpönt.
Hat jemand vielleicht noch einen Tip, was man machen kann, wenn man in der Leichtschlafphase beim Einschlafen immer hochschreckt? Wie kann man sich dann ablenken, um nicht in Panik zu verfallen, dass man nicht wieder einschlafen kann?
 
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